Wege aus der Wohnungsnot - Bauen für Groß-Berlin in Tempelhof

Sonderausstellung vom 26. 6. bis 14.3.2021 im Tempelhof Museum

Im Rahmen des Stadtjubiläums »100 Jahre Groß-Berlin« laden die 12 Berliner Regionalmuseen und das Stadtmuseum mit dem Kooperationsprojekt Großes B - dreizehnmal Stadt dazu ein, neben der zentralen Großausstellung im Märkischen Museum auch geschichtliche Entwicklungen in den 13 Bezirken und deren individuelle Herausforderungen kennenzulernen.

Die Museen Tempelhof-Schöneberg haben dafür zwei Sonderausstellungen und eine Veranstaltungsreihe zum Thema Bauen und Wohnen konzipiert. Seit dem 26. Juni ist der erste Teil der Reihe »Wege aus der Wohnungsnot − Bauen für Groß-Berlin in Tempelhof« im Tempelhof Museum zu sehen. Der zweite Teil der Ausstellungsreihe mit dem Fokus auf die Schöneberger Bauentwicklungen folgt ab 1. August im Schöneberg Museum.

Die Wohnungsnot war eine der zentralen Herausforderungen der Weimarer Republik − und Berlin litt in besonderem Maß darunter. Mit der Gründung Groß-Berlins am 1. Oktober 1920 wuchs die Bevölkerung schlagartig auf mehr als 3,8 Millionen an und vergrößerte sich in den folgenden zehn Jahren um eine weitere halbe Million. Im gesamten Stadtraum fehlten über 100.000 Wohnungen. Die Eingemeindung zahlreicher Vororte und Dörfer, darunter Tempelhof, Lichtenrade, Mariendorf und Marienfelde bot aber auch neue Chancen.

Zu diesem Zeitpunkt war der neugeschaffene Bezirk Tempelhof trotz wachsender Industrie in weiten Teilen noch ländlich geprägt und wenig bebaut. Als Reaktion auf Wohnungsnot und Wirtschaftskrise in der Weimarer Republik entstanden vielfältige Siedlungsprojekte. Sie reichten im Norden von der Gartenstadt Neu-Tempelhof bis zu einer Stadtrandsiedlung im südlichsten Teil Marienfeldes. Die bis dahin industriell geprägte Gegend wurde zum beliebten Wohnort.

In der Sonderausstellung im Tempelhof Museum werden einige der interessantesten Wohnungsbauprojekte und Siedlungen vorgestellt. Sie veranschaulichen, wie Architekt_innen und Baugesellschaften neue gestalterische Wege gingen, den Fokus auf Licht, Luft und Sonne legten und neben einer guten sanitären Ausstattung auch Zugänge zu Gärten und Grünflächen boten.

Die Bandbreite reicht von genossenschaftlichen Siedlungen wie der Märkischen Scholle in Marienfelde über den Siedlungsbau Mariendorf von Ella Briggs − dem einzigen Berliner Bau einer Architektin aus dieser Zeit −  bis hin zum gewaltigen Großbauprojekt Neu-Tempelhof, das die Ausmaße einer Provinzstadt annahm.

Die Realisierung der Ausstellung wurde aus Mitteln der Lotto-Stiftung Berlin und des Bezirkskulturfonds ermöglicht.

Im Rahmen des Kooperationsprojekts »Großes B - dreizehnmal Stadt«