Wege aus der Wohnungsnot - Bauen für Groß-Berlin in Tempelhof

Im Rahmen des Stadtjubiläums »100 Jahre Groß-Berlin« laden die 12 Berliner Regionalmuseen und das Stadtmuseum mit dem Kooperationsprojekt Großes B - dreizehnmal Stadt dazu ein, neben der zentralen Großausstellung im Märkischen Museum auch geschichtliche Entwicklungen in den 13 Bezirken und deren individuelle Herausforderungen kennenzulernen.

Die Museen Tempelhof-Schöneberg haben dafür zwei Sonderausstellungen und eine Veranstaltungsreihe zum Thema Bauen und Wohnen konzipiert. Seit dem 26. Juni ist der erste Teil der Reihe »Wege aus der Wohnungsnot − Bauen für Groß-Berlin in Tempelhof« im Tempelhof Museum zu sehen. Der zweite Teil der Ausstellungsreihe mit dem Fokus auf die Schöneberger Bauentwicklungen folgt ab 1. August im Schöneberg Museum.

Die Wohnungsnot war eine der zentralen Herausforderungen der Weimarer Republik − und Berlin litt in besonderem Maß darunter. Mit der Gründung Groß-Berlins am 1. Oktober 1920 wuchs die Bevölkerung schlagartig auf mehr als 3,8 Millionen an und vergrößerte sich in den folgenden zehn Jahren um eine weitere halbe Million. Im gesamten Stadtraum fehlten über 100.000 Wohnungen. Die Eingemeindung zahlreicher Vororte und Dörfer, darunter Tempelhof, Lichtenrade, Mariendorf und Marienfelde bot aber auch neue Chancen.

Zu diesem Zeitpunkt war der neugeschaffene Bezirk Tempelhof trotz wachsender Industrie in weiten Teilen noch ländlich geprägt und wenig bebaut. Als Reaktion auf Wohnungsnot und Wirtschaftskrise in der Weimarer Republik entstanden vielfältige Siedlungsprojekte. Sie reichten im Norden von der Gartenstadt Neu-Tempelhof bis zu einer Stadtrandsiedlung im südlichsten Teil Marienfeldes. Die bis dahin industriell geprägte Gegend wurde zum beliebten Wohnort.

In der Sonderausstellung im Tempelhof Museum werden einige der interessantesten Wohnungsbauprojekte und Siedlungen vorgestellt. Sie veranschaulichen, wie Architekt_innen und Baugesellschaften neue gestalterische Wege gingen, den Fokus auf Licht, Luft und Sonne legten und neben einer guten sanitären Ausstattung auch Zugänge zu Gärten und Grünflächen boten.

Die Bandbreite reicht von genossenschaftlichen Siedlungen wie der Märkischen Scholle in Marienfelde über den Siedlungsbau Mariendorf von Ella Briggs − dem einzigen Berliner Bau einer Architektin aus dieser Zeit −  bis hin zum gewaltigen Großbauprojekt Neu-Tempelhof, das die Ausmaße einer Provinzstadt annahm.

Die Realisierung der Ausstellung wurde aus Mitteln der Lotto-Stiftung Berlin und des Bezirkskulturfonds ermöglicht.

Im Rahmen des Kooperationsprojekts »Großes B - dreizehnmal Stadt«

 

Verborgene Schätze - Einblicke in das Tempelhofer Kunstdepot

Ottilie Ehlers-Kollwitz, Paul Kuhfuss, Hermione von Preuschen, Ernst Wilhelm Müller-Schönefeld – die Sonderausstellung »Verborgene Schätze – Einblicke in das Tempelhofer Kunstdepot« ermöglicht einen ersten Blick auf ausgewählte Glanzstücke der bezirklichen Kunstsammlung. Bereits 1948 begann das damalige Heimatarchiv Tempelhof seine Sammlungstätigkeit. Und seitdem sind viele sehenswerte Gemälde und Grafiken zusammengetragen worden, die bis heute nahezu ungesehen im Depot schlummern.

Der Ausstellungsraum des Tempelhof Museums wird zum offenen Magazin: Filigrane Liniengefüge treffen auf pastose Farbflächen, kleinformatige Grafiken auf großformatige Ölbilder, Tempelhofer Motive auf exotische Landschaftsausschnitte. Gezeigt werden Kunstschätze direkt aus dem Depot – mit all ihren Spuren der Zeit.

Alle ausgewählten Künstlerinnen und Künstler weisen einen engen Bezug zur Geschichte Tempelhofs und Berlins auf – nicht wenige von ihnen gestalteten diese sogar maßgeblich mit. Allen voran ist hier die Malerin und Schriftstellerin Hermione von Preuschen zu nennen. Die von vielen als exzentrische und reisehungrige Persönlichkeit beschriebene Künstlerin bewohnte von 1908 bis zu ihrem Tod eine tempelartige Villa in Lichtenrade. Viele ihrer Bilder sind nicht mehr auffindbar. Das Tempelhof Museum besitzt jedoch ein kleines Konvolut an Ölgemälden und Reiseskizzen.

Weitere ausgestellte Kostbarkeiten sind Bilder der Grafikerin und Buchillustratorin Ottilie Ehlers-Kollwitz, der Schwiegertochter von Käthe Kollwitz, und des Malers Ernst Wilhelm Müller-Schönefeld. Auf dem Gemälde „Cardinal“, entstanden um 1900, verbindet Müller-Schönefeld, der 1985 den Großen Staatspreis der Preußischen Akademie der Künste erhielt, Jugendstil-Ornament und fotorealistisches Porträt auf eindrucksvolle Weise miteinander.

Druckfrisch aus Tempelhof!
Blicke in das Ullsteinhaus

Seit 1927 steht das Ullsteinhaus in Tempelhof. 60 Jahre lang war es für die Presse- und Medienlandschaft in Deutschland ein ebenso zentraler Ort wie für tausende Mitarbeiter_ innen, die sich als „Ullsteiner“ identifizierten. Die Bedeutung des Ullsteinhauses ging für sie weit über die hier entstandenen Produkte hinaus. Das Haus, die Belegschaft und die Familie Ullstein schauen auf eine wechselvolle Geschichte zurück, die von Wirtschafts­aufschwung während der 1920er Jahre, Enteignung während des National­sozialismus, dem Wiederaufbau in der Nach­kriegszeit und der Deutschen Teilung geprägt wurde.

Die Ausstellung wirft Blicke hinter die Geschichte der Mauern des eindrücklichen Bauwerks, das bis heute die Silhouette von Tempelhof prägt. Ergänzt wird die Wander­ausstellung durch zahlreiche Leihgaben und Schenkungen, die uns Tempelhofer_innen und ehemalige Mitarbeiter_innen des Ullsteinhauses im Rahmen eines Sammlungs­aufrufs überließen.